Wie innere Anteile unsere Kommunikation beeinflussen!

In jeder und jedem von uns gibt es viele verschiedene „Stimmen“ – innere Anteile, die auf bestimmte Situationen und Themen reagieren. Oft erleben wir eine Art inneren Dialog oder ein Stimmengewirr, das sich selten einig ist. Jeder dieser Anteile hat seine eigene Sichtweise, Wünsche und Bedürfnisse. Dadurch beeinflussen sie nicht nur unsere Gedanken und Gefühle, sondern auch die Art, wie wir kommunizieren und handeln.


Diese innere Vielstimmigkeit ist ganz normal und spiegelt wider, dass Konflikte und Kooperationen nicht nur zwischen Menschen, sondern auch in uns selbst stattfinden. Diese inneren Stimmen sind nicht einfach zu ignorieren – sie wollen gehört und verstanden werden. Manchmal entstehen innere Auseinandersetzungen, die uns blockieren oder Entscheidungen erschweren. Doch dieser Zustand ist keinesfalls ein Zeichen von Schwäche oder Störung. Vielmehr ist er Ausdruck der Vielfalt und Tiefe, die jede Persönlichkeit ausmacht. Diese „innere Pluralität“ trägt eine große Chance in sich: Das Ziel ist, aus diesen verschiedenen Stimmen ein „Inneres Team“ zu formen, das zusammenarbeiten kann. Auf diese Weise entsteht ein neuer Zugang zu innerer Weisheit und Klarheit.


Innere Anteile als Ressource nutzen

Wenn das „Innere Team“ im Einklang ist, wird es möglich, authentisch, klar und situationsgerecht zu reagieren. Die Kunst besteht darin, alle inneren Stimmen zu hören und sie in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Jedes Teammitglied, also jeder innere Anteil, hat eine bestimmte Funktion und möchte einen wertvollen Beitrag leisten. Indem wir diesen Anteilen Gehör verschaffen, entwickeln wir ein inneres Gleichgewicht, das uns erlaubt, reflektiert und kraftvoll auf äußere Herausforderungen zu reagieren.


In der Arbeit mit inneren Anteilen – oft auch „Teilearbeit“ genannt – lernen Sie, die unterschiedlichen inneren Stimmen wahrzunehmen, ihre jeweiligen Bedürfnisse zu erkennen und sie zu einem inneren Dialog einzuladen. Dies ermöglicht es, aus inneren Konflikten eine stimmige Kommunikation zu entwickeln, sowohl nach innen als auch nach außen. So können Sie auf Ressourcen zurückgreifen, die vielleicht bisher unentdeckt oder ungenutzt blieben.


Die Arbeit mit dem Inneren Team kann auch dazu beitragen, Klarheit über eigene Werte und Bedürfnisse zu gewinnen und ein Gefühl für den passenden Ausdruck in der Kommunikation zu entwickeln. Sie lernen, welche Stimmen in bestimmten Situationen hilfreich sind und welche eher blockieren. So wird die eigene Kommunikation stimmiger, und das Erleben von innerer Stärke und Selbstvertrauen wächst. Diese bewusste Auseinandersetzung ermöglicht es, sich selbst besser kennenzulernen und authentischer auf andere zuzugehen. 


Der Weg zur Entfaltung dieser inneren Ressourcen ist nicht immer einfach, doch er birgt das Potenzial für tiefgreifende Veränderungen und persönliches Wachstum. Indem Sie Ihr „Inneres Team“ entdecken und stärken, werden Sie lernen, in Einklang mit Ihren inneren Anteilen zu handeln und zu kommunizieren – für ein authentisches und erfülltes Leben.


Beispiel: Das Innere Team in Aktion – Ein Konflikt am Arbeitsplatz

Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer Besprechung und Ihr Vorgesetzter kritisiert Ihre Arbeit vor dem gesamten Team. Spontan könnten verschiedene innere Stimmen auf diese Situation reagieren:


  • Die oder der Innere Kritiker: „Wie peinlich, das hättest du besser vorbereiten müssen. Du bist einfach nicht gut genug.

Diese Stimme kann sehr streng sein und versucht, Fehler zu vermeiden, indem sie Druck ausübt. Sie will uns antreiben, perfekt zu sein und ist in solchen Momenten oft besonders laut.


  • Der oder die Innere Beschützer: „Das war nicht fair, dich so vor allen bloßzustellen! Du musst dich verteidigen!"

Hier spricht der Anteil, der dafür sorgen möchte, dass Sie nicht ungerecht behandelt werden. Dieser Anteil kann wütend, ärgerlich oder verletzt sein und kämpft dafür, dass Sie Ihre eigenen Grenzen wahren.


  • Der oder die Harmoniesuchende: „Sag lieber nichts, du möchtest doch den Frieden im Team bewahren. Nimm es nicht persönlich.

Diese innere Stimme hat die Beziehungsebene im Blick und möchte Spannungen vermeiden. Sie rät dazu, ruhig zu bleiben und Konflikte um jeden Preis zu vermeiden.


Je nach Situation und Prägung können diese Anteile unterschiedlich stark reagieren. In einem solchen Fall können Sie sich fühlen, als würden Sie innerlich hin- und hergerissen sein. Es kann schwerfallen, klar zu kommunizieren oder zu entscheiden, wie Sie auf die Kritik reagieren möchten.


Der Weg zu einem „Inneren Team“, das zusammenarbeitet, besteht darin, alle diese Stimmen zu Wort kommen zu lassen und zu verstehen, warum sie reagieren, wie sie reagieren. Der Kritiker möchte Sie davor bewahren, erneut kritisiert zu werden, indem er Sie antreibt, Ihre Arbeit zu verbessern. Der Beschützer hat das Ziel, Ihre Würde zu bewahren und Ihren Selbstwert zu verteidigen. Und der harmoniesuchende Anteil wünscht sich ein angenehmes Miteinander, weil Beziehungen Ihnen wichtig sind. 


Wenn Sie lernen, diese Stimmen bewusst wahrzunehmen und zu moderieren, können Sie in einer solchen Situation eine Antwort finden, die alle Aspekte berücksichtigt – eine Reaktion, die sowohl authentisch als auch reflektiert ist und Ihrem Anliegen gerecht wird. Dies kann zum Beispiel bedeuten, sachlich auf die Kritik einzugehen, dabei ruhig zu bleiben und dennoch Ihre eigenen Grenzen klar zu kommunizieren.


Die Arbeit mit dem Inneren Team ermöglicht es, selbst in herausfordernden Situationen handlungsfähig und in Kontakt mit sich selbst zu bleiben – und das stärkt nicht nur die Kommunikation, sondern auch die innere Zufriedenheit.


Beispiel: Das Innere Team in der Paar- oder Familiensituation

Stellen Sie sich vor, es gibt Streit in Ihrer Partnerschaft oder Familie – vielleicht geht es um unterschiedliche Erwartungen an gemeinsame Zeit oder die Aufteilung von Aufgaben im Alltag. In einer solchen Situation können verschiedene innere Stimmen besonders laut werden:


  • Die oder der Innere PerfektionistIn: „Es sollte alles reibungslos laufen. Warum klappt es nie so, wie es sein soll?“

Diese Stimme hat hohe Ansprüche an sich selbst und die Beziehung. Sie strebt nach Harmonie und Perfektion und kann schnell enttäuscht sein, wenn Dinge nicht wie erwartet laufen.


  • Die oder der Innere Verletzte: „Warum versteht mich niemand? Ich fühle mich nicht gesehen und ungerecht behandelt.“

Dieser Anteil kann sehr sensibel auf Ablehnung, Kritik oder Missverständnisse reagieren. Er möchte in seiner Tiefe erkannt und geschätzt werden und kann sich schnell verletzt oder zurückgewiesen fühlen.


  • Der oder die Innere VermittlerIn: „Bleib ruhig, sei versöhnlich. Mach jetzt keinen Stress, es wird sich schon von alleine regeln.“

Diese Stimme möchte den Frieden bewahren und vermeidet offene Konfrontationen. Sie versucht, die Wogen zu glätten und ist bereit, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, um den Konflikt zu vermeiden.


  • Der oder die Innere RebellIn: „Es reicht! Du musst endlich deine Meinung sagen und deine Bedürfnisse klarstellen!“ 

Dieser Anteil will Klarheit und kämpft dafür, sich selbst Gehör zu verschaffen. Er kann sehr direkt oder auch konfrontativ sein, besonders dann, wenn er das Gefühl hat, dass seine Grenzen überschritten werden.


In einem Streitgespräch oder Konflikt kann es leicht passieren, dass diese inneren Stimmen gleichzeitig aktiv sind und Sie hin- und hergerissen fühlen lassen. Es fällt dann schwer, die eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren oder die des anderen zu verstehen, weil die inneren Anteile sich gegenseitig überlagern.


Die bewusste Arbeit mit dem Inneren Team kann helfen, diese Stimmen wahrzunehmen und zu verstehen, welche Bedürfnisse dahinterstehen. Vielleicht wird klar, dass die oder der Innere Verletzte nach Anerkennung und Verständnis sucht. Der oder die Vermittler will die Beziehung schützen, und der oder die Innere Rebell wünscht sich mehr Authentizität und Freiheit. Wenn Sie diesen Stimmen Raum geben und sie zu einem „inneren Dialog“ bewegen, finden Sie nicht nur Worte für Ihre eigenen Gefühle, sondern können auch besser auf den oder die Partner:in oder Familienmitglieder eingehen.


So kann es in einer Konfliktsituation hilfreich sein, die innere Vielfalt zu akzeptieren und allen Stimmen Raum zu geben – zum Beispiel indem Sie die verletzte Stimme äußern: „Ich fühle mich gerade nicht gesehen und bin traurig darüber.“ Oder den Vermittler aktivieren, indem Sie sagen: „Mir ist unsere Beziehung wichtig, lass uns versuchen, das gemeinsam zu lösen.“ Und manchmal kann auch die rebellische Seite Raum bekommen: „Es ist mir wichtig, meine Grenzen klar zu kommunizieren.“ 


Auf diese Weise wird aus dem inneren Stimmenwirrwarr ein bewusstes Zusammenspiel, das die Kommunikation in der Partnerschaft oder Familie verbessert und zu mehr gegenseitigem Verständnis und Verbundenheit führt.


Fazit: Das Innere Team als Schlüssel zu besserer Kommunikation

Die Arbeit mit dem Inneren Team eröffnet einen Weg zu mehr Selbstverständnis und authentischer Kommunikation. Unsere inneren Anteile zeigen auf, welche Bedürfnisse, Werte und Wünsche uns leiten – und manchmal auch blockieren. Indem wir ihnen zuhören und ihnen Raum geben, können wir Klarheit gewinnen und auf vielfältige Ressourcen in uns zurückgreifen. 


Ob im Beruf, in der Partnerschaft oder in der Familie – ein harmonisiertes Inneres Team hilft uns, reflektierter zu handeln, Konflikte bewusster anzugehen und im Kontakt mit anderen stimmiger zu kommunizieren. So entsteht ein tieferes Verständnis für sich selbst und die eigenen Beziehungen, das zu mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden führt.

Paartherapie und Familientherapie in Karlsruhe

Pascale Jenny

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