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Grenzen in Beziehungen sind nicht Mauern, sondern Türen – sie öffnen und schließen sich, um Verbindung zu ermöglichen und gleichzeitig das eigene Wohl zu schützen. Ob in der Partnerschaft, in der Familie oder im Kontakt mit sich selbst: Grenzen sind eine Einladung zu einem respektvollen Miteinander, in dem Nähe und Eigenständigkeit ihren Platz haben. Doch oft sind sie unsichtbar, nicht klar ausgesprochen oder schwer zu setzen. Warum ist das so? Und wie gelingt es, Grenzen so zu gestalten, dass sie nicht trennen, sondern Verbundenheit stärken?
Grenzen geben Klarheit. Sie zeigen, was für uns stimmig ist, wo unsere Bedürfnisse beginnen und wo die der anderen enden. Sie helfen, Überforderung zu vermeiden, emotionale Sicherheit zu schaffen und Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten. Wer Grenzen setzt, übernimmt Verantwortung – für sich selbst und für das Miteinander. Doch was passiert, wenn Grenzen nicht respektiert werden? Oder wenn sie so starr sind, dass sie Nähe erschweren?
In vielen Beziehungen gibt es unausgesprochene Erwartungen. Manchmal fühlt sich eine Person von der anderen vereinnahmt, ohne zu wissen, wie sie das äußern kann. Ein anderes Mal entsteht Distanz, weil es schwerfällt, die eigenen Bedürfnisse klar zu benennen. Grenzen setzen bedeutet hier nicht, sich zurückzuziehen, sondern den Raum für ehrlichen Austausch zu öffnen.
Ein Beispiel: Anna und Lukas leben seit mehreren Jahren zusammen. Anna wünscht sich mehr Zeit für sich, doch jedes Mal, wenn sie sich zurückzieht, fühlt sich Lukas abgelehnt. Seine Reaktion: Er sucht noch mehr Nähe. Ihr Rückzug und sein Bedürfnis nach Verbindung verstärken sich gegenseitig – bis beide das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Erst als sie beginnen, offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen, wird klar: Anna braucht keine Distanz, um sich zu schützen, sondern einen bewussten Raum für sich. Und Lukas kann Nähe auch anders erleben als durch ständige Verfügbarkeit. Ihre Grenzen werden nicht zu Hindernissen, sondern zu Brücken, die eine neue Form des Miteinanders ermöglichen. Mehr dazu erfahren Sie in meinem Beitrag Bindungsstile in Beziehungen: Nähe, Distanz und Verbundenheit.
Innerhalb von Familien sind Grenzen oft generationsübergreifend geprägt. Eltern, die sich bedingungslos für ihre Kinder aufopfern, Geschwister, die sich für die Bedürfnisse der anderen verantwortlich fühlen, erwachsene Kinder, die es nicht wagen, „Nein“ zu sagen. Die Balance zwischen Nähe und Eigenständigkeit ist nicht immer leicht.
Ein Beispiel: Sarah ist Anfang 30 und spürt immer wieder den Druck, den Erwartungen ihrer Familie gerecht zu werden. Sie fühlt sich verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Eltern, auch wenn das bedeutet, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt. Als sie beginnt, kleine Veränderungen einzuführen – wie das bewusste Setzen von Grenzen in Gesprächen oder das Nein-Sagen, ohne sich zu rechtfertigen –, bemerkt sie, dass sich nicht nur ihr eigenes Empfinden verändert, sondern auch die Dynamik innerhalb ihrer Familie. Grenzen setzen bedeutet nicht, sich zu entziehen, sondern Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Mehr darüber, wie frühe familiäre Prägungen unsere Beziehungen beeinflussen, lesen Sie in meinem Beitrag Die unsichtbare Bindung: Wie frühe familiäre Prägungen unsere heutigen Beziehungen beeinflussen.
Grenzen sind kein Zeichen von Distanz, sondern von Bewusstheit. Sie laden dazu ein, sich selbst und anderen in neuer Weise zu begegnen – mit Klarheit, Respekt und Offenheit für das, was wirklich wichtig ist. Mehr dazu, wie Erwartungen in Wünsche verwandelt werden können, um mehr Nähe und Verständnis zu schaffen, erfahren Sie in meinem Beitrag Wünsche statt Erwartungen: Mehr Nähe und Verständnis schaffen.
--> Wie ein schwebender Samen: Grenzen setzen bedeutet, Leichtigkeit und Verbindung zu bewahren – mit Klarheit, ohne Trennung.
📖 Weiterführende Artikel:
Möchten Sie Ihre eigenen Grenzen besser verstehen und gestalten? In der systemischen Therapie begleite ich Sie dabei, neue Wege zu entdecken – für sich, für Ihre Partnerschaft und für Ihre Familie. Vereinbaren Sie gerne einen Termin.
Pascale Jenny