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Im Tanz des Elternseins, unter dem steten Takt von Verantwortung und Fürsorge, finden wir uns oft in einem Gleichgewichtsakt wieder, der unsere Beziehung nicht nur prüft, sondern bisweilen auch in eine Krise stürzen kann. Es sind die unendlichen To-do-Listen, die nächtlichen Weckrufe unserer Kleinen und die seltenen Momente der Ruhe, die uns erschöpfen lassen. In diesen Zeiten fühlen sich die einst so leichten Schritte unserer Beziehung schwer und mühsam an.
Es beginnt oft schleichend. Ein verpasstes "Ich liebe dich", ein übersehener Kuss zum Abschied. Die Gespräche drehen sich zunehmend um logistische Notwendigkeiten statt um persönliche Sehnsüchte. Diese schleichende Entfremdung kann ein schweres Gewicht sein, eine stille Last, die immer schwerer wird, je länger sie unausgesprochen bleibt.
In solchen Momenten, in denen die Liebe leiser wird und die Kluft zwischen den Partnern zu wachsen scheint, ist es wichtig, innezuhalten. Es ist entscheidend, sich bewusst zu machen, dass Krisen in Beziehungen nicht das Ende sein müssen, sondern auch eine Chance zur Vertiefung und Erneuerung bieten können.
Der erste Schritt aus der Krise ist oft der schwerste: das Gespräch suchen. Ehrliche Kommunikation über Gefühle, Ängste und Bedürfnisse kann schmerzhaft sein, aber sie ist der Schlüssel, um Missverständnisse zu klären und Entfremdung entgegenzuwirken. Es geht darum, sich gegenseitig wieder zu begegnen, nicht nur als Eltern, sondern als die Menschen, die sich einst ineinander verliebt haben.
In der Hektik des Alltags vergessen wir leicht, dass Beziehungen gepflegt werden müssen. Es ist essenziell, bewusst Zeit für einander zu schaffen. Das kann so einfach sein wie ein gemeinsamer Spaziergang nach dem Abendessen oder ein Kaffee am Morgen, bevor der Tag beginnt. Diese Momente sind lebenswichtig, um die Verbindung wieder zu stärken und zu zeigen, dass man sich füreinander entscheidet – jeden Tag aufs Neue.
Eine Krise kann auch ein Spiegel sein, der zeigt, wie wichtig es ist, unterstützend und verständnisvoll zu sein. Manchmal bedeutet das, die Perspektive des anderen anzuerkennen und eigene Fehler einzugestehen. Unterstützung kann auch extern gesucht werden, durch Beratung oder Therapie, um neue Wege zu finden, wie wir als Paar wachsen und uns weiter entwickeln können.
Auch in schweren Zeiten darf der Humor nicht fehlen. Lachen kann eine wohltuende Erleichterung bringen und die Stimmung aufhellen. Es erinnert uns daran, dass das Leben – trotz seiner Herausforderungen – auch Leichtigkeit und Freude enthalten sollte.
In jeder Beziehung gibt es Phasen der Neuorientierung. Als Eltern und als Paar in einer Krise stehen wir vor der Aufgabe, die Liebe neu zu definieren. Was bedeutet es, Liebende zu sein, wenn wir gleichzeitig Eltern sind? Die Antworten auf diese Frage sind so individuell wie die Beziehung selbst.
Elternsein und Liebende bleiben in Zeiten der Krise ist keine leichte Aufgabe. Doch durch Kommunikation und die gemeinsame Bereitschaft, an der Beziehung zu arbeiten, können diese Krisen überwunden und die Bindung sogar gestärkt werden. So wird der Tanz des Lebens, trotz seiner unvermeidlichen Herausforderungen, weiterhin von Liebe und Respekt begleitet.
Pascale Jenny