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Der Begriff „toxisch“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen „toxikon“ und bedeutet „Gift“. Heute wird er verwendet, um schädliche oder zerstörerische Verhaltensweisen und Beziehungen zu beschreiben, die das emotionale oder mentale Wohlbefinden beeinträchtigen. Eine „toxische“ Beziehung ist also eine, in der negative Muster wie ständiges Kritisieren, Manipulation, Abhängigkeit oder emotionale Erpressung vorherrschen. Diese Dynamiken wirken wie „Gift“ auf die beteiligten Personen und können das Selbstwertgefühl und die persönliche Entwicklung hemmen. Der Ausdruck „toxisch“ verdeutlicht also, dass bestimmte Verhaltensweisen eine belastende Wirkung auf das Gegenüber haben können – vergleichbar mit einer Substanz, die schädlich wirkt und das Gleichgewicht beeinträchtigt.
Toxische Beziehungen sind ein Thema, das viele Menschen berührt, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebenssituation. In meiner Arbeit als systemische Therapeutin begegnen mir immer wieder Menschen, die sich in belastenden Beziehungsdynamiken gefangen fühlen, ohne klar zu erkennen, was sie so erschöpft. Oft bleibt eine toxische Beziehung lange unerkannt, weil die Grenzen zwischen intensiven Emotionen, Konflikten und schädlichen Mustern verschwimmen. Wie erkenne ich also eine toxische Beziehung, und was bedeutet es, einen Weg aus dieser Dynamik zu finden?
Eine Beziehung kann als toxisch bezeichnet werden, wenn sie langfristig zu Belastung, innerer Unruhe oder einem Gefühl von Abhängigkeit führt. Dabei geht es nicht nur um offenkundige Konflikte, sondern auch um subtile Muster, die schädlich sein können. Wiederkehrende Kritik, Manipulation, fehlende Empathie oder der Drang, die andere Person kontrollieren zu wollen, sind oft Anzeichen einer toxischen Dynamik. Wichtig ist dabei: Jeder Mensch kann sich manchmal in Beziehungen verletzend verhalten – entscheidend ist das Muster und die Intensität über einen längeren Zeitraum.
In meiner systemischen Arbeit lege ich großen Wert darauf, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen erkennen. Klarheit zu finden bedeutet, sich selbst zu reflektieren und den Mut zu haben, eigene Wünsche und Gefühle ernst zu nehmen. Was wünsche ich mir von einer Beziehung? Welche Verhaltensweisen lassen mich wachsen, und welche ziehen mich herunter? Diese Fragen sind ein erster Schritt, um toxische Muster zu erkennen und ihnen bewusst zu begegnen. Hierbei kann es hilfreich sein, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sich zu erlauben, Nein zu sagen – zu Verhaltensweisen, die nicht gut tun, und auch zu Verbindungen, die dauerhaft belasten.
In Familien kann es vorkommen, dass ein Elternteil – zum Beispiel Mutter oder Vater – sehr kontrollierend ist und die Entscheidungen der Kinder bis ins Erwachsenenalter dominiert. Eine Klientin in meiner Praxis berichtete beispielsweise davon, dass ihre Mutter ihr immer wieder vorwarf, nicht genug für die Familie zu tun und ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Auch wenn die Tochter längst erwachsen war, führte diese ständige emotionale Erpressung dazu, dass sie sich schuldig fühlte und unfähig war, klare Grenzen zu setzen. In der Therapie arbeiteten wir daran, dass die Klientin ihre eigenen Wünsche erkennen und sich von dem Gefühl der Schuld befreien konnte. Dadurch gelang es ihr, gesunde Grenzen zu setzen, ohne die Bindung zu ihrer Mutter vollständig zu kappen.
In Paarbeziehungen kann sich eine toxische Dynamik oft durch fehlende Kommunikation oder gegenseitiges Misstrauen zeigen. Ein Paar, das zu mir kam, erlebte dies auf unterschiedliche Weise: Einer der Partner:innen kontrollierte heimlich das Handy des anderen und interpretierte harmlose Nachrichten als Zeichen für Untreue. Diese Form der Kontrolle und des Misstrauens führte zu ständigen Auseinandersetzungen, in denen beide Partner:innen in starren Rollen verharrten: die eine Person in der Position der Anschuldigung, die andere im ständigen Rechtfertigungszwang. In der Paartherapie fanden beide heraus, dass hinter diesem Verhalten Ängste und frühere Verletzungen steckten, die nie ausgesprochen wurden. Schritt für Schritt konnten sie lernen, offen über ihre Gefühle zu sprechen und einander wieder mit mehr Vertrauen zu begegnen.
Nicht immer bedeutet das Erkennen einer toxischen Beziehung auch das sofortige Ende dieser Verbindung. Es kann auch darum gehen, gesunde Grenzen zu setzen und zu kommunizieren, was verändert werden muss, damit die Beziehung auf einer respektvollen Basis weitergeführt werden kann. In manchen Fällen ist es jedoch wichtig, sich von bestimmten Erwartungen oder Verhaltensweisen zu verabschieden, um sich selbst Raum für die eigene persönliche Entwicklung zu geben. In meiner Begleitung ist es mir ein Anliegen, Sie dabei zu unterstützen, herauszufinden, welcher Weg für Sie passend ist. Es geht um einen behutsamen Prozess, der Klarheit schafft und Ihnen den Raum für neue, stärkende Erfahrungen eröffnet.
Toxische Beziehungen zu erkennen und Wege daraus zu finden, erfordert Mut, Selbstreflexion und manchmal auch Unterstützung von außen. Als systemische Therapeutin begleite ich Sie dabei, belastende Beziehungsmuster zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln und zu einer gesunden Balance in Ihren Beziehungen zu finden. Ob in der Einzelberatung, Paartherapie oder Familientherapie – ich unterstütze Sie dabei, zu erkennen, was Sie in Beziehungen stärkt, und begleite Sie auf Ihrem Weg zu mehr Klarheit und Lebensqualität.
Eine belastende Beziehung zu erkennen und Veränderung zu schaffen, ist ein Weg, der von individueller Selbstreflexion und mutigen Entscheidungen geprägt ist. Jeder Mensch verdient es, in Beziehungen zu leben, die zu persönlicher Entwicklung und Wohlbefinden beitragen. Der erste Schritt besteht darin, toxische Dynamiken bewusst wahrzunehmen und für sich selbst einzustehen – auf eine Weise, die sowohl Ihnen als auch Ihrem Gegenüber gerecht wird und sich stimmig anfühlt.
Pascale Jenny